Daten öffentlich, frei verfügbar und nutzbar zu machen für mehr Transparenz, Innovation und Effizienz — das ist Open Data.

Opendata.ch ist die Schweizer Sektion der Open Knowledge Foundation.
Wir entwickeln Positionen und Projekte und tragen sie in die Medien.

Bundesrat beschliesst Open Government Data Strategie

| 16. Apr 2014 | in National | Keine Kommentare

An seiner heutigen Sitzung hat der Bundesrat die Open Government Data-Strategie Schweiz 2014–2018 verabschiedet. Der Verein Opendata.ch und die parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit sind sehr erfreut über dieses klare Zeichen für offene Behördendaten in der Schweiz.

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Die Open Government Data-Strategie ist das Ergebnis eines alle Departemente umfassenden Prozesses, unter engem Einbezug der föderalen Ebenen und der Open Data Bewegung. Sie bestätigt die Anliegen der Open Data Community und entspricht den politischen Vorstössen, die in Zusammenhang mit OGD in den letzten zweieinhalb Jahren auf nationaler Ebene eingereicht wurden.

Zeichen der Zeit erkannt

Balthasar Glättli, Nationalrat und Mitglied des Kernteams von Parldigi, der Parlamentarischen Gruppe für Digitale Nachhaltigkeit, anerkennt: “Der Bundesrat hat die Zeichen der Zeit erkannt und eine mutige, zukunftsweisende Strategie vorgelegt.”

Der Verein Opendata.ch, die Open Data Community und die parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit freuen sich auf eine rasche Umsetzung der Strategie auf allen föderalen Ebenen und insbesondere auch auf die weitere konstruktive Zusammenarbeit über Behörden-, Sprach- und andere Grenzen hinweg.

Interessen der Datennutzer vertreten

Opendata.ch wird die nächsten Schritte eng begleiten und sich mit Nachdruck für die Interessen der Datennutzer in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur einsetzen.

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Links:

Kontakt:

Sports Hackdays: Ready, Steady, Go!

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Sport is fun, sport is healthy, sport is a business – and sport is data, too. Scores and and times, athletic performance over time, passes played from A to B in real time, your own bicycle rides: there is more and more data for more and more of sports, and more is becoming open data, too!

It therefore is time to kick off the first International Sports Hackdays: two days of data wrangling, visualizing games and working on apps that matter to fans and athletes alike, to improve, to have fun, and to win.

Taking place on 23-24 May as a global event, the hackdays will be headquartered in Basel, Switzerland, with local nodes being planned all over Europe.

Right now we are collecting open data, we are negotiating with international sports organizations (so many of them are in Switzerland!), we are assembling teams of developers, designers, journalists and athletes, and we’re convinced this is going to be a huge win for everybody!

Come play as well and sign up now to participate at one of the following nodes:

PS: Guess what’s taking place at the end of these two days? The finale of  UEFA Champions League! That’s the opportunity to relax together as well as to demo, for example, a live data analysis of the game!

Supporting Partners:

   

Prestigious institutions are committing to open up sports data from their domain. Have some data you want to publish, bringing the power of open data innovation to your organization as well? We’re here to help!

21. Februar: Open Data Date!

Opendata.ch und Hacks/Hackers laden ein und fragen Bund, Kanton, Community und Medien: wo stehen wir in Sachen Open Data?

Vor dem internationalen Open Data Day am 22. Februar treffen wir uns, um die Lage der Daten-Nation Schweiz zu sprechen. Wo stehen wir, wie und wohin geht es weiter? Tamedia stellt freundlicherweise die Räumlichkeiten zur Verfügung und bietet Getränke und Snacks.

Jetzt anmelden! 

(Aber Achtung: Anlass bereits überbucht!)

Die Teilnahme stellt jedem offen, doch die Plätze sind begrenzt. Es gilt: first come, first served. Wer sich anmeldet, der sollte bitte auch kommen – sonst nimmt er jemandem den Platz weg.

WoTamedia, Werdstrasse 21, 8004 Zürich
Wann: 21. Februar 2014, 18 Uhr
Was: Prominente Vertreter der Verwaltung und der Open Data Community, Datenjournalisten, Designer und engagierte Entwickler treffen sich, um zu schauen wo wir stehen und wie es weitergeht. Statt eines ganzen Open Data Days machen wir nur ein Open Data Date: ein gutes Gespräch am Abend, mit Speis und Trank. Und wer will so ein Date schon verpassen!

Unfallkarte.ch: Transparenz versus Privatsphäre?

Warum das Bundesamt für Strassen seinen Datenschatz mit allen teilen sollte.

Unfallkarte.ch macht Schlagzeilen die Tage: erstmals ist plakativ aufbereitet und interaktiv zugänglich, wo in der Schweiz Verkehrsunfälle passieren. Die Karte ist beeindruckend, die Zahlen (8’639 Schwerverletzte! 659 Tote! 874’223’663.- Sachschaden!) ebenso. Und die Schlagzeilen (“Romands doppelt so oft betrunken am Steuer!”, “Am gefährlichsten: der Gubrist!” ) verkauften fraglos das eine oder andere Exemplar der gemeinsam dahinter stehenden Tamedia-Zeitungen SonntagsZeitung, Le Matin Dimanche und Tages-Anzeiger.

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Dahinter steht ein Schatz von Daten, erfasst von Polizisten und zusammengetragen durch das Bundesamt für Strassen ASTRA. Detailliert sagen die Daten aus, wo es wie gekracht hat, ob Velofahrer, Fussgänger oder Lastwagen und so weiter involviert waren und wann wo was und wer wie stark zu Schaden kam. Selbst Angaben zu den Ursachen der Unfälle, etwa ob Alkohol im Spiel war, sind dort ersichtlich; allerdings in so genannte “Cluster” zusammengefasst, nicht auf einzelne Fälle heruntergebrochen.

Diese Daten sind wichtig. Sie helfen dabei, das Schweizer Verkehrsnetz und -verhalten besser zu verstehen, Risiken abzuschätzen und Prioritäten zu setzen. Und sie unterfüttern die zu oft mit zu viel Leidenschaft geführte Debatte um fahrbare Untersätze, der Führung von Schnell- und Langsamverkehr oder die Diskussion um Infrastrukturprojekte mit Fakten.

Nun hat die Tamedia damit einen, wie es unter Journalisten heisst, Scoop gelandet, einen Primeur, den die konkurrenzierenden Medien nur mehr zitierend mitverfolgen konnten – ein Glanzstück in Sachen Datenjournalismus, und ein Hinweis darauf, wie sich die Hebelwirkung eines Medienhauses nutzen lässt. Das ist ein vielversprechendes Signal für unsere Medienlandschaft – und es dürfte sich nur um einen Anfang handeln.

Doch was von Polizisten erfasst und vom Amt für Strassen zusammengetragen wurde, ist Bürgern nicht zugänglich. Die Daten wurden zwar mit Steuergeldern finanziert, doch sie sind nicht offen. Sie wurden in diesem Fall für Tamedia lizenziert, Dritten ohne explizite amtliche Erlaubnis ist die Verwendung nicht gestattet – diese Daten gehören also nicht dem Bürger, sondern dem Amt, das entscheidet, wer wie wo damit was anfangen darf.

In der Diskussion um die Öffnung von Datensätzen werden in der Regel meist dieselben Gründe angeführt: „zu teuer”, “zu kompliziert”, “kann missverstanden werden” und viele andere mehr. Im Falle des ASTRA lautet das Argument, man befürchte, dass publizierte Daten die Privatsphäre von Bürgern verletzen könnten .

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Diese Befürchtung ist auch der Grund dafür, dass die erwähnten Unfallursachen nur gruppiert als Cluster auf unfallkarte.ch zusammengefasst werden. Klickt man eine einzelne Position an, verschwinden die Angaben zum Hergang. Wäre die Unfallursache jeweils gelistet, so befürchtet das ASTRA, könnte die interaktive Karte dazu benutzt werden, Verunfallte an den Pranger zu stellen. Die Boulevardmedien zum Beispiel könnten den Zeitpunkt aller durch Alkohol verursachten Unfälle untersuchen und mit Polizei-Meldungen verknüpfen, um Politikern Trunkenheit am Steuer nachzuweisen.

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Geschieht also in der Wohngemeinde ein Unfall, könnte man im Web die Ursache prüfen. Konkret: im Fall eines alkoholisierten Autofahrers, der ein Kind zu Tode fährt, heikel werden. Plötzlich haben es die trauernden Eltern Schwarz auf Weiss, oder eben Pixel neben Pixel, warum ihr Kind sterben musste. Das vielleicht noch bevor irgendwelche Gerichtsurteile gefällt sind.

Es ist entsprechend durchaus nachvollziehbar, dass das ASTRA angesichts solcher Schreckensszenarien seine Daten nur ungern herausrückt.

Dennoch sollte sich das Amt und die Schweizer Öffentlichkeit folgende Fragen nochmals eingehend prüfen: Sollte ein Politiker, der trunken am Steuer erwischt wird, auf seine Privatsphäre pochen dürfen? Könnte ein oben genannter Fall überhaupt eintreten, wenn die Daten einer Unfallursache, wie im Falle von Unfallkarte.ch, ein Jahr später zugänglich gemacht werden? Können die Daten nicht auf eine Art und Weise zugänglich gemacht werden, die solcherlei Gefahren minimieren?

Und ganz grundsätzlich: wie stark ist das Argument zu gewichten, dass wer bereits viel weiss dank offenen Daten zu mehr wissen kommen kann, als er haben sollte? Sprich: natürlich ist es so, dass wer viele anonymisierte Quellen hat, Schlüsse ziehen kann, die die Anonymisierung teilweise wieder aufhebt. Ist das aber ein Argument, keine Daten zu veröffentlichen? Lässt sich mit diesem Restrisiko restriktive Datenpolitik rechtfertigen? Könnte die öffentliche Hand, könnte die gesamte Schweiz nicht sehr viel mehr davon profitieren, wenn das ASTRA seine Daten öffnen würde? Für alle, und nicht nur für Tamedia?

Auftakt für OpenGLAM in der Schweiz

| 25. Sep 2013 | in Event, National | Keine Kommentare

Der folgende Blog-Beitrag wurde von Beat Estermann (Berner Fachhochschule) im Anschluss an das OpenGLAM Panel anlässlich der OKCon 2013 letzte Woche in Genf verfasst.

„GLAM“ (engl. „Galleries, Libraries, Archives, and Museums“) steht als Sammelbegriff für Gedächtnisinstitutionen, also für Museen, Archive, Bibliotheken und ähnliche Organisationen. Bei OpenGLAM geht es darum, Gedächtnisinstitutionen, welche unser kulturelles Erbe bewahren, aufbereiten und an künftige Generationen weitervermitteln, für die Wissensgesellschaft zu öffnen, um möglichst viele ihrer Bestände der Allgemeinheit zur Nutzung und Weiterverwendung zur Verfügung zu stellen. Diesen Öffnungsprozess unter Gedächtnisinstitutionen zu fördern, ist das Ziel der OpenGLAM Initiative der Open Knowledge Foundation.

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[Foto: Maarten Brinkerink, CC-by-sa]


OpenGLAM Prinzipien in Genf erstmals vorgestellt

Anlässlich der OKCon in Genf wurden erstmals die OpenGLAM-Prinzipien einem breiteren Publikum vorgestellt. Die Prinzipien dienen der Bewegung als Orientierungshilfe für ihre Aktivitäten. Von „offenen“ GLAM-Institutionen wird folgendes erwartet:

Sie stellen Informationen über ihre Überlieferungsobjekte (Metadaten) mittels einer geeigneten Lizenz […] in die Public Domain.
Sie behalten digitale Reproduktionen von Werken, deren Urheberrechtsfrist abgelaufen ist (Public-Domain-Werke), in der Public Domain, indem sie keine neuen Rechtsansprüche geltend machen.
Wenn sie Daten veröffentlichen, stellen sie klar, welche Art von Nutzung und Wiederverwendung der Daten aus ihrer Sicht erwünscht ist. […]
Wenn sie Daten veröffentlichen, verwenden sie „offene“ Dateiformate, welche maschinenlesbar sind.
Sie nehmen Gelegenheiten wahr, um im Internet neuartige Zugänge zu ihren Zielgruppen zu schaffen.

Mehr dazu auf der OpenGLAM-Website: OpenGLAM Prinzipien

OKCon2013- OpenGLAM Workshop 007
[Foto: Maarten Brinkerink, CC-by-sa]


Internationaler Austausch

Die internationale OpenGLAM Working Group nutzte die OKCon zudem, um den Austausch zwischen den OpenGLAM-Aktivisten in den einzelnen Ländern zu pflegen und im Hinblick auf den Aufbau einer OpenGLAM-Arbeitsgruppe für die Schweiz die ersten Schritte einzuleiten.

Neben internationalen GLAM-Vertretern und Vertretern der Open Data / Open Knowledge-Bewegung beteiligten sich auch mehrere Vertreter von Schweizer Gedächtnisinstitutionen am GLAM-Workshop. Folgende Punkte wurden von den Teilnehmenden als wichtigste Herausforderungen identifiziert, auf die in der nächsten Zeit das Augenmerk gelegt werden soll:

  • breiterer Einbezug der Communities
  • Erarbeitung/Anwendung von rechtlichen und technischen Standards
  • Kooperation mit Wikipedia/Wikimedia
  • Austausch von Dokumenten, Argumentarien und Statistiken
  • bessere Anerkennung der Leistungen von GLAM-Institutionen, welche ihre Bestände öffnen
  • Realisierung von „Quick Wins“, um an Dynamik zu gewinnen

Weitere Informationen zum Workshop inklusive aller Präsentationen sind auf dem OpenGLAM-Blog zu finden.


Nächste Schritte in der Schweiz

Für die Schweiz wurde vom Verein opendata.ch anlässlich der OKCon die Schaffung einer OpenGLAM-Arbeitsgruppe in Aussicht gestellt. Diese soll Vertreter von NGOs, GLAM-Institutionen und Forschungsinstitutionen umfassen und die Umsetzung der OpenGLAM-Prinzipien in der Schweiz vorwärts bringen.

Ebenso soll ein OpenGLAM-Netzwerk ins Leben gerufen werden. Es wird Gedächtnisinstitutionen verbinden, welche sich hinter die OpenGLAM-Prinzipen stellen, über die Entwicklungen im OpenGLAM-Bereich auf dem Laufenden bleiben wollen und sich vorstellen können, aktiv mit der Free Knowledge / Open Data-Bewegung zusammenzuarbeiten. Für Institutionen, welche bereits konkrete Projekte umsetzen, wird das Netzwerk Möglichkeiten bieten, ihre Erfahrungen mit anderen Institutionen zu teilen und über ihre Innovationstätigkeit zu berichten. Die Lancierung des Netzwerks findet voraussichtlich 2014 statt.

OKCon 2013: nur kurzes Innehalten nach dem grossen Erfolg

OKCon 2013 Rufus Pollock

Vom 16.-18. September  wurde Genf zum Dreh- und Angelpunkt der globalen Open Data Bewegung, mit über 900 registrierten Besuchern aus mehr als 45 Ländern war die Open Knowledge Conference 2013 ein Erfolg auf jeder Ebene. Der weltweit wichtigste Open Data Anlass des Jahres regte über 15’000 Meldungen auf Twitter an, wurde “Trending Topic” bis nach Washington und löste auch in den nationalen Medien grosses Echo aus. NZZ und Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung und TagesWoche24heures und SRF waren vor Ort und berichteten ausgiebig.

Zu den Schweizer Highlights gehörten sicherlich der Launch des OGD-Pilotportals der Bundesverwaltung, ebenso wie eine beindruckende Breite und Tiefe an fachlichen Beiträgen aus den Institutionen aus Bern, Zürich und Genf, nicht zuletzt auch der UNO und des CERN. Grosses internationales Aufsehen erregten zudem die Beiträge von Ellen Miller und Jay Naidoo.

Jay Naidoo gehörte zu den Weggefährten Mandelas und hatte als dessen Kommunikationsminister entscheidenden Anteil an der Gestaltung der Rahmenbedingungen für das rasante Wachstum des Mobilfunks in Afrika. Heute kämpft er gegen Unterernährung und Korruption, zwei eng miteinander verknüpfte Übel.

In seiner Zusammenfassung spricht Naidoo von seinen Eindrücken von der OKCon: “These are young digital warriors. They are connected. Their weapon is the internet. Their enemy is corruption. And they are here to bring a revolution of ethics into the 21st century.” – doch noch eindrücklicher ist sein Vortrag selbst:

 

 

Ellen Miller, Leiterin und Mitgründerin der in den USA bahnbrechende Arbeit leistenden Transparenzorganisation Sunlight Foundation sorgte für ein weiteres Highlight – der Inhalt ihrer Präsentation ging via Twitter, Facebook und Liveübertragung in Windeseile um die Welt. Miller sprach von der grundsätzlich staatspolitischen Herausforderung, die Sie mittels Open Government Data angeht, von der entscheidenden Bedeutung des Themas, das weit mehr ist als ein IT- oder Effizienzthema: nicht um “E-Government” gehe es hier, sondern um “We-Government”!

Neben vielen weiteren Videomitschnitten findet  sich auch Ellen Millers Vortrag bereits online:

 

 

Vertreter von Opendata.ch, die zusammen mit der internationalen Open Knowledge Foundation den Anlass organisierten, äusserten sich überwältigt von den Tagen rund um die Konferenz: die Entscheide in Bern, die Lancierung von opendata.admin.ch, das umfangreiche Medienecho und die intensive Konferenz in Genf brachten ihr Anliegen in kurzer Zeit grosse und entscheidende Schritte voran.

André Golliez, Präsident von Opendata.ch, stellte fest:

“Mit der OKCon 2013 entwickelt sich Open Knowledge auch in der Schweiz zu einer starken gesellschaftspolitischen Bewegung, die sich in alle Bereiche der öffentlichen Wissensproduktion und -nutzung ausbreitet: in Verwaltung, in Unternehmen des öffentlichen Sektors, in Medien sowie in Wissenschaft, Bildung und Kultur.”

Hannes Gassert, Vizepräsident von Opendata.ch, fügte an:

“Die OKCon 2013 war nicht nur der weltweit wichtigste Open Data Anlass des Jahres, sondern auch ein Meilenstein für Open Data – in der Schweiz ebenso wie für die globale Bewegung. Bei den Vereinten Nationen in Genf, in Bundesbern und den Schweizer Medien ist das Thema fest etabliert. Als Organisation geht Opendata.ch nun massiv gestärkt die nächsten Herausforderungen an.”

Während in Genf die Weltbank eine umfangreiche Partnerschaft für Open Data in Entwicklungsländern anstiess, stand auch Bern alles anderes still: Der Nationalrat hat nach der Annahme des Postulats Riklin vor zwei Wochen, das einen Masterplan für Open Government fordert, gestern Abend, 23. September 2013, ebenfalls – der Motion Graf-Litscher, die drei konkrete Massnahmen zur Öffnung der Datenbestände des Bundes fordert, zugestimmt. Das Geschäft geht nun in den Ständerat, wo es voraussichtlich in der Wintersession behandelt wird.

Zum Innehalten und Zurückblicken auf den grossen Erfolg bleibt entsprechend wenig Zeit: auch in der Schweiz hat die Open Knowledge Bewegung nun volle Fahrt aufgenommen. Der erste Meilenstein liegt hinter uns, doch ist die erst ein Anfang. Die Open Government Data Strategie der Schweiz muss definiert werden, weitere Anlässe – wie zum Beispiel die Open Data Zurich Hacknights – stehen an, und eine Vielzahl von Geschichten will geschrieben werden. Es geht um nichts weniger als um das künftige Wesen der Informationsgesellschaft, um nichts weniger als die zeitgemässe Interpretation von Transparenz und Mitbestimmung.

Transparenzschub für Schweiz und UNO

OKConIconGenf ist am 16.-18. September Schauplatz einer aussergewöhnlichen Begegnung: die Open Knowledge Conference macht die Diplomatenstadt zum Mittelpunkt der weltweiten Open Data Bewegung und zum Treffpunkt für Vertreter der Vereinten Nationen und öffentlicher Verwaltungen mit Technologie-Aktivisten, Startup-Unternehmern, Designern und Datenjournalisten. Programmierer treffen auf Diplomaten, Datenexperten und Hilfswerke lösen vor Ort gemeinsam konkrete Probleme dank endlich frei verfügbarer Daten.

In den vergangenen Jahren haben Regierungen rund um die Welt mit grossem Aufwand Transparenz-Initiativen vorwärts getrieben: vom Weissen Haus bis zur Downing Street, von Brasilien bis Bern. Die Vision heisst offenes Wissen – in Form von Bild und Text, als Daten oder Informationen jeglicher Art –, Wissen, das frei verwendet, verarbeitet und verteilt werden kann. Egal ob Geodaten oder Gedichte, Gemeindebudgets oder Geburtenraten.

Die Open Data Bewegung hat sich zu einer starken Triebkraft für mehr Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Innovation im öffentlichen Sektor und darüber hinaus entwickelt. Es ist klar, dass “offen” ähnlich wie “grün” zu einem der wichtigsten Kennzeichen für nachhaltige gesellschaftliche und technologische Entwicklungen wird.

Wichtige Schritte für die Schweiz und weltweit
Für die Schweiz bedeutet die Open Knowledge Conference unter dem Patronat von Bundesrat Berset nicht nur Prestige als Gastland, sondern auch konkreten Fortschritt. Hochrangige Vertreter der Bundesverwaltung kommen in Genf zusammen, um Open Data auch in der Schweiz einen entscheidenden Schritt vorwärts zu bringen: Das Bundesarchiv lanciert an der Konferenz zusammen mit dem Bundesamt für Landestopographie swisstopo, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, dem Bundesamt für Statistik, der Nationalbibliothek und weiteren Partnern das öffentliche Datenportal der Bundesverwaltung, die Pilotplattform opendata.admin.ch.

Gleichzeitig öffnet Genf als erste Schweizer Stadt eine Echtzeit-Schnittstelle für Tram und Bus, die den Weg weisen soll zu neuen “ÖV 2.0” Apps, zur flexibleren Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel dank genauer, aktueller Daten für alle.

Für die internationale Gemeinschaft stellt der Anlass mit über 600 Entscheidungsträgern, Entwicklern und Experten aus aller Welt einen wichtigen Meilenstein dar: in Genf wird der Open Data Gedanke definitiv global und entwickelt sich zum tragenden Gedanken internationaler Initiativen. Teilnehmer von UNICEF, UNESCO oder UNITAR, vom CERN etwa oder von der Weltbank diskutieren Wege und Ziele ihrer umfangreichen Open Data Aktivitäten.

Kommentare von Alain Berset, Hannes Gassert und Rufus Pollock
Bundesrat Alain Berset heisst die Open Knowledge Bewegung in der Schweiz willkommen (Volltext auf admin.ch):

“Die Entwicklung hin zu einer Informationsgesellschaft bedeutet für die Bürgerinnen und Bürger ungeahnte Möglichkeiten. Gleichzeitig bedeutet sie auch eine grössere Verantwortung: Der Open Government Data Ansatz kombiniert auf fruchtbare Weise die aufklärerische Forderung nach intellektueller Mündigkeit mit der traditionellen Aufgabe des Staates, Infrastrukturen zum Vorteile aller Bürgerinnen und Bürger zu betreiben – für die Informationsgesellschaft bedeutet das eine wissensbasierte Infrastruktur. Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung, deren Bedeutung für unsere Gesellschaft sich kaum überschätzen lässt. Nutzen wir die Chancen der Zusammenarbeit, wie sie sich zum Beispiel beim Pilotprojekt OGD@Bund ergeben, das an dieser Konferenz lanciert wird.”

Hannes Gassert, Mitbegründer von Opendata.ch, fügt an:

“Keine zwei Jahre nach dem Beginn unserer Bewegung fasst die Open Data Idee mit diesem Anlass unwiderruflich Fuss in der Schweiz: nicht nur ist unser Land Gastgeber des weltweit wichtigsten Anlasses auf dem Gebiet, wir feiern auch den Start des viel versprechenden nationalen Datenportals. Das Thema etabliert sich damit auf der politischen Agenda und wird uns weiter stark beschäftigen: wir sind überzeugt, dass offene Daten mehr Transparenz sowie intensivierte öffentliche Analysen, Debatten und Visualisierungen ermöglichen und uns als Gesellschaft dadurch weiterbringen. Open Data wird unser Bild vom Staat verändern, Offenheit und Innovation im öffentlichen Sektor fördern und unserer direkten Demokratie neue Impulse geben.”

Rufus Pollock, Gründer der Open Knowledge Foundation, fügt an:

“Wir nehmen mit Freude zur Kenntnis, wie viele Länder ihre Unterstützung für Open Data verkündet haben, sei es im Rahmen der G8 , der Open Government Partnership oder im Rahmen nationaler und lokaler Initiativen. Dass nun in Genf Entscheidungsträger aus aller Welt zusammenkommen, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem Konsens für freien Wissenszugang, der nun tiefer und breiter werden muss. Die Open Knowledge Conference 2013 ist eine Art ‘United Nations of Open’, und wir werden uns dafür einsetzen, dass die Vereinten Nationen eine führende Rolle für offene Daten und echte Transparenz weltweit übernehmen.”

Hauptredner

EllenMillerEllen Miller gründete die Sunlight Foundation mit, die sich in Washington politisch wie wirtschaftlich unabhängig  dafür einsetzt, mittels Technologie mehr Offenheit und Transparenz in der Regierung zu erwirken. Mehr JayNaidooJay Naidoo steht an der Spitze der Global Alliance for Improved Nutrition und kämpft damit gegen den Hunger von zwei Milliarden Menschen. Naidoo war zuvor unter anderem Kommunikationsminister der Regierung Mandela. Mehr BenjaminWiederkehrBenjamin Wiederkehr leitet interactivethings.com, eine weltweit anerkannte Datenvisualisierungs-Agentur in Zürich. Villevivante.ch, ihre Datenanalyse über die Bewegung der Stadt Genf, gilt mittlerweile als Klassiker. Mehr
AndreasKellerhalsAndreas Kellerhals ist Direktor des Schweizerischen Bundesarchivs, der federführenden Organisation des Open Data Pilotportals des Bundes, das in Genf lanciert wird. Mehr JillCousinsJill Cousins, Direktorin der Europeana Stiftung und Leiterin von Europeana.eu wird in der Session “Building a Cultural Commons” sprechen. Mehr ChrisVeinChris Vein ist Chief Innovation Officer bei der Weltbank und dort verantwortlich für wegweisende Open Data Initiativen in einer Vielzahl von Ländern. Mehr

Siehe auch http://okcon.org/main-speakers für weitere Informationen zu den Hauptrednern.

Hintergrund

OKCon 2013, findet vom 16.-18. September 2013 in Genf im internationalen Konferenzzentrum CICG  statt. Der Verein Opendata.ch und die internationale Open Knowledge Foundation organisieren den Anlass in Zusammenarbeit mit der Bundesverwaltung und der Innovationskonferenz Lift.

Unter http://okcon.org/schedule/ findet sich das vollständige Programm des Anlasses. Neben den Plenarveranstaltungen und einer grossen Zahl von Workshops treffen sich unter dem Label make.opendata.ch Entwickler, Designer und Juristen zum ersten Schweizer Law Mining Hackathon.

Der Verein Opendata.ch, ist Gastgeber der Open Knowledge Conference 2013 und repräsentiert die weltweite Open Knowledge Foundation in der Schweiz. Seit 2011 setzt sich die Organisation mit massivem ehrenamtlichem Einsatz für Open Data in der Schweiz ein, nimmt politischen Einfluss und baut mit grossem Aufwand eine landesweite Community auf. Die bekannte wie erfolgreiche Eventserie der make.opendata.ch Hackdays beispielsweise sind bis über die Landesgrenzen hinaus für produktive Zusammenarbeit zwischen Gestaltern, Entwicklern und Entscheidern bekannt.

Kontakt für Medien

Für weitere Auskünfte und Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an press@okcon.org oder Hannes Gassert (Vorstandsmitglied des Veranstalters Opendata.ch, siehe Zitat oben): hannes.gassert@opendata.ch.
Für Ihre Akkreditierung siehe http://okcon.org/press.

OKCon 2013: Some Swiss highlights

For this next week the language of this blog will switch to English in order to welcome our international guests for OKCon 2013 in Geneva

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Call it narrow-minded to focus on just one small country at an international conference, one featuring so many amazing speakers and projects from all around the globe. But as Switzerland is the hosting country, Opendata.ch, is co-organising the event and a third of the participants are expected to be from Switzerland, it seems only fair to showcase some of the highlights from a Swiss point of view.

The Open Knowledge Conference will be the breakthrough event for Open Data in Switzerland, or as Hannes Gassert, vice president of Opendata.ch, has expressed it in a recent interview:

OKCon marks a major milestone for Switzerland… [It represents] a big step for the movement as well as for Switzerland: we don’t have some president saying “I want this now”, but a participatory political process touching all levels of government, and I think that data-driven transparency will eventually emerge as the natural complement to our direct democracy.

Open Government Data has seen some major developments very recently in Switzerland. Just this past Monday 9th September, the Swiss national council voted with a two-thirds majority in favor of an “Open Government Data Masterplan“. By doing so, they opposed the recommendations by the federal council (the government) and sent a strong signal to the executive.

Many interpreted this as a clear signal from our policy makers for more transparency and accountability. The bill garnered support from a wide range of the political spectrum, with only right-wing SVP and liberal-green GLP not voting for it. The week before, one of the key demands of the bill was already fulfilled: A study commissioned by the Federal Archives on the Economic Impact of Open Government Data stated that Open Government Data has an economic potential of easily more than 1.3 billion Swiss Francs (1 billion Euro) per year, in our small country alone. Tages-Anzeiger, a leading Swiss-german newspaper, dedicated half of their front page to this news.

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It should be clear by now that with OKCon 2013 just a few days away, the buzz is getting huge here. So lets look ahead at some of the Swiss highlights for the upcoming three days of Open Knowledge in Geneva:

Launch of Switzerland’s Open Data Portal

The biggest highlight from a Swiss point of view will of course be the launch of the official Open Data Portal – opendata.admin.ch. OGD@Confederation, and confederation in this acronym stands for the Swiss state, has been developed these past months and will feature data from seven different government agencies. Presented as a pilot project, the portal will mostly offer data sets that are already available, but they will be bundled in a centralised location for the first time with an API. The project was built using CKAN software in conjunction with Liip and itopia, both major sponsors for OKCon and it will run through a test period to be evaluated next year.

On Monday 16 September, 17:30 – 18:30 @ Main Stage Room 2 OKCon will host the official launch event and the unveiling of opendata.admin.ch. Andreas Kellerhals, Director of the Swiss Federal Archives, will speak on the occasion along side Peter Fischer, Delegate for the Federal IT Steering Unit and André Golliez, President of Opendata.ch. And afterwards: champagne! And alphorns. Cheese? We’ll see.

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[Photo: peter576]

Just before, on Monday 16 September 15:30 – 17:00, Barnaby Skinner, board member of Opendata.ch, will host a session of short talks titled Spotlight on Switzerland that among others will feature Sandrine Salerno, Mayor of the City of Geneva, Matthias Brüllmann, Schweizerische Bundeskanzlei and Michael Grübler, Statistik Stadt Zürich.

Data Visualization workshop

But some Swiss highlights start even earlier. On Monday 16 September from 14:00 – 17:00 Benjamin Wiederkehr and Alice Kohli from the prestigious newspaper NZZ will run a workshop on How to turn data into stories, based on the collaborations between interactivethings.com and Neue Zürcher Zeitung. Their most recent series of data visualizations using Swiss maps was published this past summer and can be experienced via this amazing micro site. But their best known work to date is Keine Zeit für Wut, a narrative visualization that was published in 2011 shortly after the catastrophic events in Fukushima and won international acclaim.

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Law Mining Hackathon

The Law Mining Hackathon is starting even earlier on Monday, at 10:00, and will run in parallel to the conference all the way through to Thursday organised by Opendata.ch board members Christian Laux, and Oleg Lavrovsky together with Prof. Jean-Henry Morin . The goal of the Hackathon is summed up in its title “From Code to Sense: Bringing the Law to the Public”; the idea is to “open legal data, while constantly exploring the boundaries of what we can legally do with data, aiming to fully understand and debate the conditions of use, we have been championing openness.” Want to know more? Read here and here!

TPG/Urban Data Challenge

TPG, Geneva’s public transport agency, is launching their interface to access their real-time data at the event, in a workshop on Wednesday called the Transport Publics Genevois Sketchaton. The plan is to come up with creative ideas to make use of their great new API. Antoine Stroh, Project Manager TPG, will also speak on the Urban Data Challenge panel along with Christopher Pangilinan, San Francisco Municipal Transportation Agency (SMTA) and Bruno Mändli, Trapeze Switzerland. Urban Data Challenge was the very successful hack contest using public transportation data from three cities Geneva, San Francisco and Zürich – a selection of the projects will be exhibited at OKCon.

Re:Public Domain Remix

This workshop will take place on Thursday at Bureau Culturel Genève, co-organized by Dock18, the Open Knowledge Foundation France, Wikimedia (France & Switzerland) and pour-cent culturel Migros the aim is to encourage people to remix public domain works in a creative way. There will be screen printers (bring a T-Shirt), musicians and other artists working with people on hands-on remixes. In the afternoon there will be a walk to the Mont Saleve where a Robert Musil work, now in the public domain, will be interpreted.

Open Geodata Meetup

The Swiss are crazy for maps, and they have a huge tradition of super-precise mapmaking – it’s a thing almost as big as watches here! Therefore, and as almost everything people do happens in space, which makes Geographic data key for a very wide range of applications, the Open Geodata Panel and Meetup, supported by Esri Suisse, will be of great importance to us. Crisis Mapper Anahi Ayala Iacucci will join three representatives of international Geneva’s Open Geodata advocates: Barbara J. Ryan, Secretariat Director of the intergovernmental Group on Earth Observations (GEO), Francesco Pisano, Director of Research at the United Nations Institute for Training and Research (UNITAR) and Emanuele Gennai, Global Affairs Executive at Esri.

CERN’s Open Hardware

Here’s a highlight with a rather catchy workshop title for you: Frictions. Collaborative creation of knowledge vs. practices in trade and commerce. The example of Open Hardware. Javier Serrano (CERN) will introduce the latest version of CERN’s open hardware license, and as we all know, CERN is located just a few kilometers away from the CICG where OKCon will be taking place.

CERNHardware

So there you go: a roundup of some of the great activities the Swiss community will be offering at OKCon! We can’t wait to meet and hear from all of the international participants that will be joining us in Geneva! The international exchange of ideas will undoubtedly be the biggest highlight of OKCon 2013. We’ll see you in just a few days time!

And if you need more convincing, check out this video of some of the people behind OKCon welcoming everyone to the conference, featuring all four (!) of our national languages as well as other Swiss highlights:

OKCon 2013 – the Swiss community respond!

Zweidrittelsmehrheit für 1. Parlamentarischen Vorstoss zu Open Government Data im Nationalrat

Heute Abend (9. September 2013, 18:45 Uhr) hat der Nationalrat mit 120 Ja dem Postulat Riklin 11.3902 “Masterplan für Open Government Data” zugestimmt. Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und der Verein Opendata.ch sind sehr erfreut, dass der Nationalrat weitere Schritte hin zu Open Government Data in der Schweiz klar unterstützt.

politnetz_masterplan-ogd_130910Quelle: politnetz.ch

Seit der Eingabe im Jahr 2011 wurden die wesentlichen Punkte des Postulats Riklin bereits erfüllt: Bezüglich Punkt 1 ist die Bundesverwaltung daran, die Forderung nach einem dokumentierten Datenbestand umzusetzen. Punkte 2 und 3 wurden erfüllt durch die Studie von Adelheid Bürgi-Schmelz “Wirtschaftliche Auswirkungen von Open Government Data”. Dennoch ist es aus Sicht der positiven Zustimmung gegenüber dem eingeschlagenen Weg des Bundesrates sinnvoll, dass der Nationalrat dem Vorstoss seinen Segen erteilt hat – insbesondere in dieser Deutlichkeit (Zweidrittelsmehrheit).

Nächste Vorstösse bereits zur Abstimmung traktandiert

Voraussichtlich am 23. oder 24. September 2013 kommt im Rahmen der Verhandlungen und Abstimmungen der EJPD-Geschäfte die Motion Graf-Litscher 11.3871 “Öffnung der Datenbestände des Bundes. Open Government Data” zur Abstimmung. Auch hier wurden mehrere der Forderungen in der Zwischenzeit umgesetzt. Einzig Punkt 1, die öffentliche Auflistung aller offenen oder geschlossenen Datenbestände der Bundesverwaltung, sollte aufgrund der Transparenz von Behörden ebenfalls noch umgesetzt werden. Deshalb empfehlen die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und der Verein Opendata.ch dem Nationalrat auch dieser Motion zuzustimmen.

Wir rufen jedefrau und jedermann auf, die Damen und Herren Nationalrätinnen und Nationalräte der entsprechenden Kantone zu einem weiteren Ja zum eingeschlagenen Weg hin zu Open Government (Data) in der Schweiz aufzufordern.

Fünf Schlüsselerkenntnisse nach einem Jahr OGD (Open Government Data) Stadt Zürich

| 4. Sep 2013 | in Zürich | Keine Kommentare

Dieser Gastbeitrag wurde verfasst von Claudia Hochstrasser, OGD-Projektleiterin der Stadt Zürich und Beraterin der Zürcher IT-Firma itopia.


OGDZHDas OGD Portal der Stadt Zürich wurde letztes Jahr am 28. Juni live geschaltet und ist nun über ein Jahr erfolgreich in Betrieb. Zeit, fünf Schlüsselerkenntnisse aus einem Jahr OGD in der Stadt Zürich zu ziehen.

Schlüsselerkenntnis eins: OGD ist kein Selbstläufer.

Mit dem Live-Schalten einer Plattform und der Veröffentlichung von ersten Datensätzen ist der erste Schritt in Richtung OGD getan. Die gemachten Erfahrungen in diesem Jahr zeigten aber schon früh, dass dies allein nicht reicht, um die kontinuierliche Veröffentlichung von Behördendaten sowie die langfristige und nachhaltige Weiterführung von OGD im Betrieb erfolgreich zu etablieren. Deshalb entwickelte die Stadt Zürich Anfang Jahr einen Katalog mit 14 flankierenden Massnahmen, um OGD über die blosse Aufschaltung des Portals hinaus sowohl intern als auch extern zu fördern und voranzutreiben. Für die Umsetzung der Massnahmen werden Ressourcen sowie dedizierte Mitarbeiter mit verschiedenen Kompetenzen benötigt.

Schlüsselerkenntnis zwei: OGD als Projekt und OGD im Betrieb sind zwei Paar Stiefel.

Die Überführung von OGD als Projekt in den täglichen Betrieb erwies sich als grosse Herausforderung. Neben dem Aufbau eines zentralen Open Data Teams und der Schaffung neuer, interner Rollen müssen viele betriebliche Prozesse, die bei der Entwicklung und Live- Schaltung des Portals von untergeordneter Bedeutung waren, etabliert werden.

Eine Verwaltung ist eine sehr heterogene Organisation mit unterschiedlichen technischen Systemen und Daten-Maturitäten. Das Datenmanagement ist zudem vielfach nicht das Kerngeschäft des Departements oder der Dienstabteilung. Intern müssen deshalb dafür passende, individuelle Daten-Lieferprozesse sowie Möglichkeiten für die Verrechnung der anfallenden Aufwände aufgesetzt werden, um den verschiedenen Daten-Lieferanten gerecht zu werden. Dafür wurde unter anderem die Rolle des OGD-Datenverantwortlichen geschaffen.

Solche Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Es braucht Zeit und Geduld, bis neue Prozesse in der Organisation etabliert und gelebt werden. Eine klare und solide rechtliche Grundlage hilft entscheidend, diesbezüglich Unsicherheiten zu nehmen.

Darüber hinaus wurde in der Stadt Zürich schnell klar, dass Daten und ihr Management technisch durch die richtige Infrastruktur unterstützt werden müssen. Deshalb wird bis Ende Jahr eine dedizierte Infrastruktur eingeführt, welche zusätzlich eine Daten-Föderation mit dem Bundesportal ermöglicht.

Schlüsselerkenntnis drei: OGD ist Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation.

Sowohl die interne als auch die externe Kommunikation spielt bei OGD eine entscheidende Rolle. Ein grosser Teil der täglichen Arbeit des Open Data Teams ist deshalb in diesem Bereich angesiedelt. Für den Austausch mit interessierten Bürgern wurde die Rolle des Community Managers geschaffen. Twitter wurde als einer der Hauptkanäle der OGD-Community identifiziert und in der Folge konsequent intern auf- und umgesetzt. Dass es neben Twitter einen weiteren Kommunikationskanal braucht, wurde erst im Laufe des Jahres ersichtlich.

Ein Newsletter ist deshalb in Vorbereitung. Er soll jene Interessenten erreichen, welche nicht über Twitter kommunizieren. Zu den Aufgaben des Community Managers gehört neben der Betreuung des Twitter Accounts auch die Durchführung der Zürcher OGD-Stammtische und die Planung eines städtischen OGD- Wettbewerbs, der im Oktober und November stattfinden wird. Auch der Rücklaufprozess (Beantwortung von Anfragen, Meldung von Fehlern) wird durch ihn abgedeckt.

Stadtintern braucht es ebenfalls viel Aufklärungsarbeit, um OGD weiteren Dienstabteilungen und Departementen näher zu bringen. Mit der Erstellung von internem Informationsmaterial wurde hier eine wichtige Massnahme umgesetzt. Regelmässig finden zudem Workshops statt, um OGD verwaltungsintern besser zu verankern.

Schlüsselerkenntnis vier: Die rein quantitative Betrachtung von Aufwand und Ertrag ist für OGD nicht ausreichend.

ogd-apps_stadtzuerichIn den meisten Fällen werden Daten erhoben, ausgewertet, publiziert und dann intern abgelegt und archiviert. Damit werden das Potential und der Wert, den man aus diesen Daten gewinnen könnte, nicht voll ausgenützt. Mit einer Veröffentlichung zur freien Wiederverwendung der Daten kann ein Teil dieses brachliegenden Potentials durch die öffentliche Hand genutzt werden.

Es reicht nicht aus, mit quantitativen Methoden einen Ertrag zu messen, um ein vollständiges Bild über den Nutzen von OGD zu erhalten. Zwar kennt die Stadt die Downloadzahlen ihrer Datensätze, darüber hinaus können aber über die Sekundärnutzung der Daten durch Dritte wenig weitere Informationen gesammelt werden. Die Stadt Zürich ist dafür auf Rückmeldungen aus der interessierten Bevölkerung angewiesen, welche ihr mitteilt, wie und in welcher Form ihre offenen Daten in Projekte eingebunden wurden. Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Rückmeldungen nur bei einem Bruchteil der tatsächlich mit OGD umgesetzten Projekte erfolgt.

Um ein vollständiges Bild des Mehrwertes von OGD zu erhalten, müssen weitere Nutzenaspekte in die Betrachtung einfliessen.

In der Stadt Zürich wird das Bereitstellen von Behördendaten beispielsweise auch als Massnahme zur Standortförderung junger ICT Firmen aktiv umgesetzt. Das Open Data Team hat in diesem Jahr einige junge Firmen betreut, die ihre Ideen mit städtischen Daten umsetzen möchten.

Der Austausch mit der Bevölkerung und die Förderung ihrer Partizipation ist ein weiterer, nicht quantitativ messbarer Nutzenaspekt. Dieses Ziel wird im Rahmen von OGD durch eine Reihe von Kommunikationsaktivitäten ebenfalls aktiv vorangetrieben.

Aus den mit Hilfe von OGD entwickelten Anwendungen entsteht zudem ein volkswirtschaftlicher Nutzen: Es werden Apps kreiert, die das Leben der Bevölkerung leichter machen. Der Nutzen einer Anwendung wie beispielsweise dem einfachen Suchen und Finden des nächsten ZüriWCs ist zwar leicht ersichtlich, quantitativ messen lässt er sich aber ebenfalls nicht.

Nicht zuletzt entsteht durch OGD auch ein kultureller Nutzen. OGD-Arbeiten an Hochschulen sowie OGD-Projektwochen an Kantonsschulen wurden bereits durchgeführt oder sind gerade in der Umsetzung.

Die Sichtweise über OGD muss deshalb weg von einem rein Aufwand/Ertrag-orientierten Blick hin zu einer umfassenderen Nutzen-Perspektive.

Schlüsselerkenntnis fünf: OGD braucht politische Unterstützung.

Dem OGD-Projekt und -Betrieb übergeordnet ist eine solide politische Unterstützung eine entscheidende Rahmenbedingung. Damit weitere Daten als OGD erfolgreich erschlossen werden können, braucht es einen klaren Auftrag der Regierung an die Verwaltung, ihre Daten standardmässig als OGD zu publizieren. Für OGD muss dementsprechend ein nachhaltiges Budget gesichert werden, um nicht nur intern entstehende Aufwände, sondern auch Ertragsausfälle bei der Abgabe gebührenbefreiter Daten zu kompensieren. OGD braucht Kontinuität, ein langer Atem ist intern und extern nötig. Ohne einen politischen Willen, OGD wirklich umsetzen zu wollen, wird das Vorhaben deshalb langfristig kaum erfolgreich fortzusetzen sein.


Weitere Informationen um Thema:

Gerade heute (03.09.2013) ist im Tagesanzeiger ein Artikel zum OGD Portal der Stadt Zürich erschienen: ‘Zürich – die Pionierstadt der Open-Data-Bewegung’.

Am 15. und 29. Oktober sowie am 12. November 2013 finden die Open Data Zürich Hacknights 2013 statt. Dafür eintragen kann man sich hier.

Der OGDZH Twitter-account: @OpenDataZurich

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