OKCon 2013: einige Schweizer Highlights
In der kommenden Woche wechselt die Sprache dieses Blogs auf Englisch, um unsere internationalen Gäste der OKCon 2013 in Genf willkommen zu heissen
Man mag es engstirnig nennen, sich an einer internationalen Konferenz mit so vielen grossartigen Rednerinnen, Rednern und Projekten aus aller Welt auf ein einziges kleines Land zu konzentrieren. Da die Schweiz aber das Gastgeberland ist, Opendata.ch den Anlass mitorganisiert und ein Drittel der Teilnehmenden aus der Schweiz erwartet wird, scheint es nur fair, einige Highlights aus Schweizer Sicht vorzustellen.
Die Open Knowledge Conference wird der Durchbruch für Open Data in der Schweiz sein, oder wie es Hannes Gassert, Vizepräsident von Opendata.ch, in einem aktuellen Interview ausgedrückt hat:
Die OKCon ist ein wichtiger Meilenstein für die Schweiz… [Sie ist] ein grosser Schritt für die Bewegung wie für die Schweiz: Bei uns sagt kein Präsident «Das will ich jetzt», sondern es gibt einen partizipativen politischen Prozess, der alle Staatsebenen erfasst, und ich glaube, dass datengetriebene Transparenz sich schliesslich als natürliche Ergänzung unserer direkten Demokratie durchsetzen wird.
Open Government Data hat in der Schweiz in jüngster Zeit einige bedeutende Entwicklungen erlebt. Erst am vergangenen Montag, dem 9. September, hat der Nationalrat mit Zweidrittelmehrheit einem «Masterplan für Open Government Data» zugestimmt. Damit hat er sich gegen die Empfehlung des Bundesrates (der Regierung) gestellt und ein starkes Signal an die Exekutive gesendet.
Viele haben dies als klares Signal unserer Politikerinnen und Politiker für mehr Transparenz und Rechenschaft gedeutet. Die Vorlage fand Unterstützung in einem breiten Teil des politischen Spektrums; einzig die rechte SVP und die Grünliberalen (GLP) stimmten nicht dafür. In der Woche zuvor war eine der Kernforderungen der Vorlage bereits erfüllt worden: Eine vom Bundesarchiv in Auftrag gegebene Studie zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Open Government Data kam zum Schluss, dass Open Government Data allein in unserem kleinen Land ein wirtschaftliches Potenzial von gut und gerne über 1,3 Milliarden Franken (1 Milliarde Euro) pro Jahr hat. Der Tages-Anzeiger, eine führende Deutschschweizer Zeitung, widmete dieser Nachricht die halbe Titelseite.
Es dürfte inzwischen klar sein: Nur wenige Tage vor der OKCon 2013 ist die Aufregung hier riesig. Werfen wir also einen Blick auf einige Schweizer Highlights der kommenden drei Tage Open Knowledge in Genf:
Lancierung des Schweizer Open-Data-Portals
Das grösste Highlight aus Schweizer Sicht wird natürlich die Lancierung des offiziellen Open-Data-Portals sein – opendata.admin.ch. OGD@Bund – «Bund» steht in diesem Kürzel für den Schweizer Staat – wurde in den vergangenen Monaten entwickelt und wird Daten von sieben verschiedenen Bundesstellen enthalten. Das als Pilotprojekt präsentierte Portal bietet grösstenteils Datensätze an, die bereits verfügbar sind, die aber erstmals an einem zentralen Ort gebündelt und mit einer API versehen werden. Das Projekt wurde mit der Software CKAN zusammen mit Liip und itopia umgesetzt, beides Hauptsponsoren der OKCon, und durchläuft eine Testphase, die nächstes Jahr ausgewertet wird.
Am Montag, 16. September, 17:30 – 18:30 @ Main Stage Room 2 findet an der OKCon der offizielle Lancierungsanlass mit der Enthüllung von opendata.admin.ch statt. Andreas Kellerhals, Direktor des Schweizerischen Bundesarchivs, spricht bei dieser Gelegenheit zusammen mit Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes, und André Golliez, Präsident von Opendata.ch. Und danach: Champagner! Und Alphörner. Käse? Mal sehen.

[Foto: peter576]
Unmittelbar davor, am Montag, 16. September, 15:30 – 17:00, moderiert Barnaby Skinner, Vorstandsmitglied von Opendata.ch, eine Session mit Kurzvorträgen unter dem Titel Spotlight on Switzerland, unter anderem mit Sandrine Salerno, Stadtpräsidentin von Genf, Matthias Brüllmann, Schweizerische Bundeskanzlei, und Michael Grübler, Statistik Stadt Zürich.
Workshop zur Datenvisualisierung
Einige Schweizer Highlights beginnen aber noch früher. Am Montag, 16. September, von 14:00 – 17:00 leiten Benjamin Wiederkehr und Alice Kohli von der renommierten NZZ einen Workshop zum Thema How to turn data into stories, basierend auf der Zusammenarbeit zwischen interactivethings.com und der Neuen Zürcher Zeitung. Ihre jüngste Serie von Datenvisualisierungen mit Schweizer Karten wurde diesen Sommer veröffentlicht und kann auf dieser grossartigen Microsite erkundet werden. Ihre bisher bekannteste Arbeit ist jedoch Keine Zeit für Wut, eine erzählende Visualisierung, die 2011 kurz nach der Katastrophe von Fukushima veröffentlicht wurde und international Anerkennung fand.
Law Mining Hackathon
Der Law Mining Hackathon beginnt sogar noch früher, am Montag um 10:00, und läuft parallel zur Konferenz bis Donnerstag. Organisiert wird er von den Opendata.ch-Vorstandsmitgliedern Christian Laux und Oleg Lavrovsky zusammen mit Prof. Jean-Henry Morin. Das Ziel des Hackathons fasst sein Titel zusammen: «From Code to Sense: Bringing the Law to the Public»; die Idee ist, «juristische Daten zu öffnen und dabei laufend die Grenzen dessen auszuloten, was wir rechtlich mit Daten tun dürfen – mit dem Ziel, die Nutzungsbedingungen vollständig zu verstehen und zu debattieren, haben wir uns für Offenheit eingesetzt.» Mehr erfahren? Lesen Sie hier und hier!
TPG/Urban Data Challenge
Die TPG, die Genfer Verkehrsbetriebe, lancieren am Anlass ihre Schnittstelle für den Zugriff auf ihre Echtzeitdaten, und zwar in einem Workshop am Mittwoch namens Transport Publics Genevois Sketchaton. Ziel ist es, kreative Ideen zur Nutzung ihrer grossartigen neuen API zu entwickeln. Antoine Stroh, Projektleiter TPG, spricht zudem am Panel zur Urban Data Challenge zusammen mit Christopher Pangilinan, San Francisco Municipal Transportation Agency (SMTA), und Bruno Mändli, Trapeze Switzerland. Die Urban Data Challenge war der sehr erfolgreiche Hack-Wettbewerb mit Daten des öffentlichen Verkehrs aus den drei Städten Genf, San Francisco und Zürich – eine Auswahl der Projekte wird an der OKCon ausgestellt.
Re:Public Domain Remix
Dieser Workshop findet am Donnerstag im Bureau Culturel Genève statt und wird mitorganisiert von Dock18, der Open Knowledge Foundation France, Wikimedia (Frankreich & Schweiz) und dem Migros-Kulturprozent. Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, gemeinfreie Werke auf kreative Weise zu remixen. Siebdruckerinnen und Siebdrucker (T-Shirt mitbringen), Musikerinnen und Musiker und weitere Kunstschaffende arbeiten mit den Teilnehmenden an praktischen Remixes. Am Nachmittag geht es auf einen Spaziergang zum Mont Salève, wo ein inzwischen gemeinfreies Werk von Robert Musil interpretiert wird.
Open Geodata Meetup
Die Schweizer sind verrückt nach Karten und haben eine grosse Tradition in der hochpräzisen Kartografie – das ist hier fast so gross wie die Uhren! Und da fast alles, was Menschen tun, im Raum geschieht, sind geografische Daten für ein sehr breites Spektrum von Anwendungen zentral. Deshalb ist das von Esri Suisse unterstützte Open Geodata Panel and Meetup für uns von grosser Bedeutung. Die Crisis Mapperin Anahi Ayala Iacucci trifft auf drei Vertreterinnen und Vertreter der Open-Geodata-Befürworter des internationalen Genf: Barbara J. Ryan, Direktorin des Sekretariats der zwischenstaatlichen Group on Earth Observations (GEO), Francesco Pisano, Forschungsdirektor am Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen (UNITAR), und Emanuele Gennai, Global Affairs Executive bei Esri.
Die Open Hardware des CERN
Hier ein Highlight mit einem ziemlich eingängigen Workshoptitel: Frictions. Collaborative creation of knowledge vs. practices in trade and commerce. The example of Open Hardware. Javier Serrano (CERN) stellt die neueste Version der Open-Hardware-Lizenz des CERN vor – und wie wir alle wissen, liegt das CERN nur wenige Kilometer vom CICG entfernt, wo die OKCon stattfindet.
Da haben Sie es: ein Überblick über einige der tollen Aktivitäten, die die Schweizer Community an der OKCon anbietet! Wir können es kaum erwarten, all die internationalen Teilnehmenden zu treffen und zu hören, die zu uns nach Genf kommen! Der internationale Austausch von Ideen wird zweifellos das grösste Highlight der OKCon 2013 sein. Wir sehen uns in wenigen Tagen!
Und falls Sie noch mehr Überzeugung brauchen: Schauen Sie sich dieses Video an, in dem einige der Menschen hinter der OKCon alle zur Konferenz willkommen heissen – in allen vier (!) unserer Landessprachen und mit weiteren Schweizer Highlights:




