Warum Jacqueline Fehr findet, wir dürften ruhig etwas mutiger sein.

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An unserem Opendata.ch/2023 Forum durften wir Regierungsrätin Jacqueline Fehr begrüssen, seit 2015 Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich und damit unter anderem verantwortlich für das Statistische Amt und die Datenpolitik.

Was sie in ihrer Eröffnungsrede sagte, scheint uns wert, mit Ihnen allen geteilt zu werden. Das war kein standardisierter Text einer Berufsvertreterin, sondern ein kraftvolles und leidenschaftliches Plädoyer für die Bedeutung von Open Data für die Gesellschaft.

Aber lesen Sie selbst. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um noch einmal «Danke, Jacqueline Fehr» zu sagen – für Ihren Besuch und für diesen motivierenden Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein in der Open-Data-Community. Vornehm werden wollen wir vielleicht nicht, aber gehört werden wollen wir schon.

Jacqueline Fehr bei ihrer Eröffnungsrede am Opendata.ch/Forum 2023

«Liebe Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Journalismus und Zivilgesellschaft. Liebe Open-Data-Community. Mit anderen Worten: Liebe Handwerkerinnen und Handwerker des digitalen Fortschritts.

Sie können sich gut vorstellen, dass ich in meiner Funktion als Regierungsrätin an sehr viele Anlässe eingeladen werde. Hin und wieder wird es pompös, manchmal gibt es sogar rote Teppiche, und auch die Gäste sind von grosser Bedeutung.

Doch die Bedeutung, die sich manche dieser Anlässe selbst zuschreiben, entspricht nicht unbedingt ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz. Und das ist in Ordnung. Heute, bei Ihnen, ist es aber meiner Meinung nach umgekehrt. Nun, ich wusste nicht genau, wie viel Glamour mich hier bei Ihnen erwartet: Aber wer sich im «Karl» trifft, neigt nicht zu Pomp.

Dabei hätten Sie allen Grund, sich ein wenig in Szene zu setzen, auf sich aufmerksam zu machen, gesehen und gehört zu werden. Aus meiner Sicht sind dieser Anlass und – mehr noch – die Arbeit und die Ziele der Open-Data-Community von enormer gesellschaftspolitischer Bedeutung.

Daten sind eine zentrale Ressource unserer Zeit. Egal, ob es in den Daten um den Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zur Bildung geht, ob sie unseren Weg zu einer klimafreundlicheren Politik beschreiben oder die durchschnittlichen Löhne von Frauen und Männern vergleichen. Praktisch jede Entscheidung beruht auf Daten. Sie bestimmen unser Handeln, und deshalb ist es absolut entscheidend, wie wir mit den Daten arbeiten. Sie müssen valide sein, sie müssen gut lesbar sein, und möglichst viele Menschen sollten einfach und schnell Zugang zu diesen Daten haben.

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat sich für die nächsten vier Jahre zum Ziel gesetzt, die strategische Ressource Daten möglichst nutzbringend und vielfältig einzusetzen. Und ich bin zuversichtlich. Als Mitglied der Regierung und Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern bin ich – wenn Sie so wollen – für die Statistik des Kantons Zürich zuständig. Und mit einigem Stolz sage ich: Zum Glück haben wir im Kanton Zürich Leute, die genau wissen, wie man mit offenen Behördendaten umgeht.

Auf opendata.swiss gibt es derzeit rund 9200 Datensätze. Ich will nicht angeben, aber der Kanton Zürich hat dazu einen riesigen Beitrag geleistet. Ich gratuliere den Zürcher OGD-Teams. Sie haben die Nase im Wind.

Natürlich kann man es immer noch besser machen. Neben OGD müssen wir zum Beispiel noch an Folgendem arbeiten: Die Datenprozesse müssen durchgängiger werden. Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die sich ärgert, wenn sie zum x-ten Mal dieselben Daten in ein Formular eintippen muss – Daten, die sie schon mehrmals bei einer amtlichen Stelle hinterlegt hat. Mein Bedürfnis nach Vereinfachung steht vielleicht nicht im Zentrum der Open-Data-Bewegung. Aber seit ich vor etwa 8 Jahren in Estland war und mir das «Once only»-Prinzip im Detail anschauen konnte, weiss ich, dass viel mehr möglich ist.

Natürlich ist der Weg dorthin nicht so einfach. Die Schweizer Verwaltungsstrukturen sind über Jahrhunderte gewachsen und heute sehr, sehr engmaschig. Das ist positiv, denn es bedeutet, dass die Eidgenossenschaft sehr viele Lebenssituationen bewältigen kann. Aber die vielen einzelnen Anwendungen, die noch nicht kompatibel sind, bremsen die Digitalisierung erheblich.

Trotzdem: Wir arbeiten daran. Der Bund und die Stadt Zürich behandeln Daten bereits nach dem Grundsatz «open by default». Auch im Kanton Zürich geht die Reise in diese Richtung. Eine entsprechende Gesetzesänderung ist unterwegs und schon weit fortgeschritten.

Ich freue mich darauf, diesen Weg weiterzugehen. Zum Schluss mache ich noch etwas Parteipolitik: Ich bin Sozialdemokratin. Wenn ich an die Grundprinzipien denke, die die Open-Data-Bewegung voranbringen sollen, dann sind sie urtümlich sozialdemokratisch: zusammenarbeiten und teilen. Wer also mit Open Data vorankommen will, setzt auf sozialdemokratische Prinzipien!

Ich komme zum Schluss – ohne Sie mit Parteipolitik zu behelligen: Was braucht es, damit die Open-Data-Geschichte zu einer Erfolgsgeschichte wird? Meiner Meinung nach erstens

  • den Wandel gemeinsam anzupacken: Menschen und Infrastruktur so zu schulen und auszurüsten, dass jede einzelne Person die Daten publizieren kann, mit denen sie jeden Tag arbeitet. Das stärkt uns alle.
  • Zweitens: Open Data als grösseres Ganzes zu betrachten: Wie hängen die Daten zusammen, wofür brauchen wir sie? Und dann in thematischen Datenräumen zu denken: schauen, welche Daten wir brauchen, um eine Frage zu beantworten, dann prüfen, ob wir sie haben, wo wir sie bekommen und welche offen publiziert werden könnten.
  • Und drittens: vom Konkreten zum Allgemeinen zu gehen: Je mehr dieser Datenräume wir anschauen, desto vollständiger wird das Gesamtbild.

Wie das alles genau funktionieren soll – nun, Sie sind die Fachleute! Man hat mir gesagt, das nächste heisse Thema seien die Schnittstellen. Das leuchtet ein. Wenn es uns gelingt, die vielen einzelnen digitalen Anwendungen – wenn ich das so sagen darf – miteinander «reden» zu lassen, dann wird die Digitalisierung sehr schnell gehen.

Es ist cool, dass Sie sich hier treffen, um Kräfte zu bündeln und zu teilen. Und übrigens: Beitrittsformulare für die sozialdemokratische Bewegung finden Sie im Netz …

Ich wünsche Ihnen ein sehr erfolgreiches Forum.»

(Das hatten wir!)

Die Folien aller weiteren Präsentationen und Workshops unseres Opendata.ch/2023 Forum finden Sie auf der Veranstaltungsseite.