Ein fröhliches Treffen zur Förderung der Nachnutzung offener Kulturdaten
- GLAM
Der erste Schweizer Open Cultural Data Hackathon, der am 27./28. Februar 2015 in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern stattfand, war ein grosser Erfolg: Rund 100 Softwareentwicklerinnen und -entwickler, Kunstschaffende, Designerinnen, Forschende, Wikipedianerinnen und Wikipedianer sowie Angehörige des Kulturerbesektors kamen zusammen, um mehr als 30 offene Datensätze nachzunutzen. Die von über 20 verschiedenen Institutionen bereitgestellten Daten und Inhalte wurden in den unterschiedlichsten Bereichen nachgenutzt: für Forschungszwecke in den Digital Humanities und verwandten Gebieten, für die Vermittlung freien Wissens im Rahmen von Wikipedia/Wikimedia, für eine Vielzahl von Web-Apps und für künstlerische Remixes. Der Hackathon war auch für Gedächtnisinstitutionen ein hervorragendes Mittel, um mit Softwareentwicklern, Forschenden und Wikipedianern in einen Dialog zu treten und Kulturdaten und digitalisierte Sammlungen einer breiteren Nutzung zuzuführen. Und nicht zuletzt ging es am Hackathon darum, Know-how, Erkenntnisse, Softwarecode und Techniken in einem offenen und spielerischen Umfeld unter Teilnehmenden mit unterschiedlichem Hintergrund zu teilen.
Die am Hackathon entwickelten Artefakte sind im Hackathon-Wiki dokumentiert; hier einige Beispiele:
Carl Durheims Polizeifotografien von Heimatlosen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts inspirierten mehrere Projekte. Eines davon ist «Picture This», das aus einem «intelligenten» Rahmen besteht, der eine Polizeifotografie zeigt. Wer das Bild betrachtet, löst einen Gesichtserkennungsalgorithmus aus, der sowohl Geschlecht und Alter der betrachtenden wie der heimatlosen Person als auch die Stimmung der porträtierten Person analysiert. Informationen über die Person auf der Fotografie erscheinen. So werden die Betrachtenden Teil des Systems, das über die heimatlose Person urteilt, und die Person auf dem Bild ist erneut dem Blick des Betrachters ausgeliefert.
Das Projekt «Schweizer Kleinmeister – An Unexpected Journey» zeigt eine grosse Bildersammlung in einer interaktiven 3D-Visualisierung: Rund 2300 Druckgrafiken und Zeichnungen der sogenannten «Schweizer Kleinmeister» (Schweizer Meister des 18. Jahrhunderts) aus der Sammlung Gugelmann der Schweizerischen Nationalbibliothek bilden eine Wolke im virtuellen Raum. Die Bilder sind nach bestimmten Parametern gruppiert, die automatisch durch Bildanalyse berechnet werden und auf Metadaten beruhen. Ziel ist ein schneller und intuitiver Zugang zur gesamten Sammlung. Je nach gewähltem Analysekriterium (z. B. Techniken oder Bildmerkmale) werden die Bilder in den 3D-Raum projiziert, wo man sie erkunden kann.
Es gibt noch vieles mehr zu entdecken:
- Spielt mit Tarotkarten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts! (der Favorit meines Sohnes)
- Visualisiert die Vorfahren von Personen, die in Wikidata erfasst sind! (Wer bei Wikidata eingeloggt ist, kann das Werkzeug aktivieren, um es im Menü aufzurufen.)
- Helft beim Georeferenzieren historischer Karten! (Anleitung auf Deutsch)
- Macht das Lausanner Fotoquiz! (ziemlich schwierig, wenn man nicht von dort ist)
- Oder hört euch die «Unendliche Geschichte» von Wikidata an! (auf Deutsch)
Ich möchte allen Teilnehmenden, Datenlieferanten, Mitorganisatoren, Sponsoren und unserer Gastgeberin, der Nationalbibliothek, für diesen mitreissenden und inspirierenden Anlass danken! Ich hoffe, euch an einem weiteren Hacking-Anlass wiederzusehen!
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