Swiss GLAMhack Awards 2018 – die Gewinnerprojekte
- GLAM
Was geschieht, wenn Gedächtnisinstitutionen wie Museen, Bibliotheken und Archive mit Softwareentwicklerinnen, Forschenden, Wikipedianern und Designerinnen zusammenkommen, um das Potenzial des digitalen Kulturerbes und insbesondere offener Kulturdaten zu erkunden? Einige Antworten auf diese Frage hat der jährliche Swiss Open Cultural Data Hackathon geliefert, der vom 26. bis 28. Oktober im Schweizerischen Nationalmuseum stattfand.
Zum ersten Mal wurde der Swiss Open Cultural Data Hackathon von einer öffentlichen Veranstaltung begleitet, an der die Projekte einem Publikum präsentiert und anschliessend bewertet wurden. Die Besucherinnen und Besucher konnten ausprobieren, was die Teams während des Wochenendes auf die Beine gestellt hatten, und für ihr Lieblingsprojekt abstimmen. Eine Jury aus sechs Fachleuten aus Gedächtnisinstitutionen sowie aus den Bereichen Open Data und Informatik wählte die besten Projekte in drei Kategorien aus: grösster Erkenntnisgewinn, bester Ansatz, um einen Datensatz zur Geltung zu bringen, und Innovation. Insgesamt wurden an der Preisverleihung zwölf Projekte vorgestellt. Sie befinden sich derzeit im Stadium eines Mockups oder Prototyps und werden hoffentlich in den kommenden Monaten weiterverfolgt.
«Perfectly made» und «Biggest round of applause»
Das Projekt mit dem grössten Erkenntnisgewinn ist eine mobile Anwendung für Kunstmuseen. «Ask the Artist» funktioniert mit Sprachassistenz und gibt Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, ein Gespräch mit einer Künstlerin oder einem Künstler zu führen. Steht man zum Beispiel vor einem Gemälde, kann man dem Urheber Fragen stellen wie «Was ist das Motiv Ihres Bildes?», «Wann haben Sie mit dem Malen begonnen?» oder «Wer hat Ihnen das Malen beigebracht?». Die Antworten stammen aus der Datenbank des Museums – in diesem konkreten Fall aus dem Online-Lexikon SIKART zur Schweizer Kunst – und werden vom Mobiltelefon vorgelesen. Anders als Sprachassistenten, die ihre Informationen aus dem Internet beziehen, stammen die Daten von «Ask the Artist» aus gesicherten Quellen und garantieren verlässliche Informationen. Die Jury schätzte diese Anwendung besonders, weil sie dem Publikum ermöglicht, auf sehr natürliche und intuitive Weise Informationen zu erhalten. Das Projekt wurde vom Publikum zudem zum Projekt mit dem «biggest round of applause» gewählt.
«Stunningly beautiful»
«Zurich Historical Photo Tours» ist das Projekt, das offene Kulturdatensätze am besten zur Geltung bringt. Diese mobile Anwendung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte Zürichs, indem sie thematische Rundgänge auf der Grundlage historischer Fotografien aus den Sammlungen der Zentralbibliothek Zürich und des Schweizerischen Nationalmuseums vorschlägt. Nach der Wahl eines Themas wird den Nutzerinnen und Nutzern auf ihrer mobilen Karte angezeigt, wohin sie gehen sollen. Sobald sie den angegebenen Perimeter erreichen, erscheint auf ihrem Telefon eine historische Fotografie des Ortes. Sie können selbst ein Bild des Ortes aufnehmen und die alte und die neue Fotografie übereinanderlegen, um sie zu vergleichen. Weitere Informationen zum Ort erhalten sie, indem sie ihr Foto über die Anwendung senden. «Zurich Historical Photo Tours» setzt historische Fotografien wieder in ihren geografischen Kontext und schafft einen Dialog mit der Gegenwart. Es ermöglicht dem Publikum ein interaktives Erlebnis im Freien. Die Projektgruppe hat sich eine weitere Funktion der Anwendung ausgedacht, mit der Nutzerinnen und Nutzer alte Fotografien identifizieren können, die noch nicht mit Geodaten verortet sind.
«Brand new»
Das innovativste und eigenständigste Projekt ist «Walking Around the Globe – a VR Picture Expedition». Das Team hat einen virtuellen Ausstellungsraum geschaffen, der mit einer Virtual-Reality-Brille besucht werden kann. Einer der beiden Ausstellungsräume ist einem Globus aus der Sammlung der Sternwarte der ETH Zürich gewidmet. Dank 360°-Fotografien des Objekts konnte in der Mitte des Raumes ein 3D-Modell visualisiert werden. An den Wänden kann man Werke aus der Graphischen Sammlung der ETH betrachten, die alle einen thematischen Bezug zum Globus haben. Ein in die Brille integrierter Audioguide liefert Informationen zu den Werken. Die Ideen hinter «Walking Around the Globe» sind vielfältig. Museumsfachleuten bietet es ein Werkzeug, um Räume während der Vorbereitung einer Ausstellung zu visualisieren. Virtuelle Ausstellungen ermöglichen es zudem, Werke zu zeigen, die aus konservatorischen Gründen oder schlicht aus Platzmangel in den Museen normalerweise nicht präsentiert werden können. Dem Publikum gibt dieses Projekt die Möglichkeit, sich in die Rolle einer Kuratorin oder eines Kurators zu versetzen und eine eigene Ausstellung zusammenzustellen.
Auf der Hackathon-Berichtsseite von infoclio.ch finden Sie die Videoaufzeichnungen der Projektpräsentationen.
Eine vollständige Liste der Hackathon-Projekte sowie eine Liste der verfügbaren Datensätze finden Sie auf der Website des OpenGLAM-Hackathons.
