#forumreport Opendata.ch/2020 Forum: Von Datenvisionen zu Handlungspunkten

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Im Juni haben wir die 10. Ausgabe unseres jährlichen Forums gefeiert. Dort sprachen wir über neue Daten-Narrative und unsere Visionen für die Datenzukunft. Während des Forums führten wir zwei Workshops auf der Grundlage von Datenvisionen durch, um konkrete Handlungspunkte zu finden, die wir schon heute angehen können, um eine bessere (Daten-)Zukunft zu schaffen.

Neue Datenvisionen

Wir haben unsere Community aufgerufen, Datenvisionen einzureichen, die wir dann am Forum vertieft bearbeitet haben. Von den 19 Visionen, die über unsere Website eingereicht wurden, haben wir acht für die Workshops ausgewählt. Das Formular bleibt für Einreichungen offen – wenn ihr uns eure Datenvision mitteilen möchtet, könnt ihr das hier tun.

Die Notizen zu den acht Workshops findet ihr in der Tabelle unten.

Weibliche Datenlücken schliessenEine Welt, in der Daten ohne Geschlechterverzerrungen und -lücken verfügbar sind
Research Data Connectome(Meta-)Daten für die Forschung nachhaltig und disziplinübergreifend verknüpfen und organisieren, um sie breit zugänglich, interoperabel und wertvoll zu machen.
Dienen statt spionierenIn zehn Jahren fühle ich mich durch die über mich gesammelten Daten nicht beobachtet und manipuliert, sondern kann mich darauf verlassen, dass Daten mir dienen – für bessere Dienstleistungen, eine bessere Politik und eine bessere Umwelt.
Grosse, von Bürgerinnen und Bürgern generierte offene DatensätzeForschungsinstitute nutzen routinemässig grosse offene Datensätze, in die Einzelpersonen ihre anonymen, hochwertigen Personendaten verschiedenster Art sicher gespendet haben (z. B. Contact-Tracing-Daten, räumliche Daten, Einkaufsdaten, Medienkonsum usw.)
Bessere Datennutzung in der Schweiz 1 Daten des öffentlichen und des privaten Sektors sind offen, werden geteilt und innerhalb eines vertrauenswürdigen Datenökosystems («Swiss / European DataSpace») zum öffentlichen und privaten Nutzen verwendet.
Bessere Datennutzung in der Schweiz 2Daten des öffentlichen und des privaten Sektors sind offen, werden geteilt und innerhalb eines vertrauenswürdigen Datenökosystems («Swiss / European DataSpace») zum öffentlichen und privaten Nutzen verwendet.
Solide Grundlage für engagierte Debatte und InnovationDaten schaffen eine kritisch diskutierbare Grundlage für politische Analyse und die gemeinsame Gestaltung unserer Zukunft, ebenso wie sie Innovationen im Alltag ermöglichen – freier Zugang und verantwortungsvolle Nutzung sind für eine aufgeklärte Informationsgesellschaft unverzichtbar.
Offene dezentrale DatenspeicherungDaten sind eine neue Form von Währung: Sie sind zu mächtig, um von zentralisierten privaten Akteuren kontrolliert zu werden – bauen wir ein dezentrales System, um Daten zu speichern, zu teilen und zu nutzen.
Gemeinsames Ökosystem für Energiedaten in der SchweizDaten über Energieproduktion und -verbrauch werden von Schweizer Energieversorgern offen geteilt, fördern offene Innovation und helfen, die Klimaziele der «Agenda 2030» zu erreichen.

Schmerzpunkte und Handlungspunkte definieren

Von den acht Visionen, die am Forum vorgeschlagen wurden, wurden sieben in zwei Workshops bearbeitet. Leider wollten nicht genügend Personen an der Vision «Grosse, von Bürgerinnen und Bürgern generierte offene Datensätze» arbeiten. Die Vision «Bessere Datennutzung in der Schweiz» erwies sich hingegen als so beliebt, dass zwei Gruppen daran arbeiteten. 

Im ersten Workshop wurden die Visionen zunächst konkretisiert, dann wurde die aktuelle Situation erfasst, und schliesslich wurden die Schmerzpunkte, also die Unterschiede zwischen Vision und Ist-Zustand, diskutiert und notiert. 

Ausgehend von diesen Schmerzpunkten wurden im zweiten Workshop die verantwortlichen Akteure identifiziert. Anschliessend wurden für diese Akteure Handlungspunkte notiert, die sie angehen können und sollen.

Die Übersicht über alle Schmerzpunkte und Handlungspunkte findet ihr hier.

Schmerzpunkte

Die fehlende Datenkompetenz war ein Schmerzpunkt, der in den meisten Workshops zur Sprache kam. Die mangelnde Bildung im Umgang mit Daten scheint viele Bereiche zu betreffen. Ein weiteres Problem ist die Auffindbarkeit und Zugänglichkeit von Daten. Auch wenn man einen benötigten Datensatz findet, heisst das noch nicht, dass man ihn einfach nutzen und in seine Forschung oder sein Projekt einbinden kann. Auch dies ist ein Problem, das das gesamte Datenökosystem betrifft. Der zweite Workshop griff diese Schmerzpunkte auf und entwickelte, nachdem versucht wurde, die Verantwortlichkeiten dafür zu klären, mehrere Handlungspunkte.

Handlungspunkte auswählen

Von den in den Workshops identifizierten Handlungspunkten wurden pro Vision drei ausgewählt und zur Abstimmung darüber gestellt, wie dringend sie angegangen werden sollten. Gemäss den Ergebnissen der Abstimmung erscheinen die folgenden fünf der 24 zur Abstimmung gestellten Handlungspunkte als die dringendsten:

  1. Datenkompetenz: Akteure: Institute und Departemente & Forschungsunterstützung: Schulungen und Weiterbildungen anbieten. (111/135 Punkte)
  1. Datenanbieter: müssen für eine gute Datenpublikation sorgen (z. B. hochwertige Daten zusammen mit Metadaten veröffentlichen) und einheitliche offene Datenlizenzen sicherstellen. (110/135 Punkte)
  1. Politische Entscheidungsträger: Eine leicht verständliche  Rechtsgrundlage für klare Regeln zur Datenportabilität und für eine dezentrale Dateninfrastruktur (?) schaffen. (Kantonale) Pilotprojekte für digitale Partizipation ermöglichen. (108/135 Punkte)
  1. Die Zusammenarbeit zwischen Datennutzenden und Datenanbietern fördern. Auf Seite der Datennutzenden bedeutet das  Bildung (Datenkompetenz), gute Anwendungsfälle und nachhaltige Investitionen in Daten (nicht nur Dashboards). (108/135 Punkte)
  1. Öffentliche Institutionen (Bibliotheken, Archive, Bildungseinrichtungen, Datenhalter): Eine für alle offene Infrastruktur bereitstellen (als Alternative zu Google, Apple, Facebook, Amazon usw.). (107/135 Punkte)
  1. Datenproduzenten: Transparent mit bekannten Mängeln in Daten umgehen (besser benennen/angehen als «verstecken») und aktiv Feedback von Datennutzenden einholen, um bessere Dokumentation und Metadaten bereitzustellen und Daten besser kuratieren zu können. (106/135 Punkte)

Bessere Datenkompetenz, bessere Daten und deren Dokumentation, bessere rechtliche Rahmenbedingungen, eine bessere Zusammenarbeit zwischen Datennutzenden und Datenanbietern sowie eine bessere, offenere Open-Source-Infrastruktur – darauf werden wir künftig hinarbeiten.  

Nächste Schritte

Dank der erhaltenen Rückmeldungen prüfen wir Möglichkeiten, diese Prioritäten zu verbessern. 

Wenn ihr eine Idee habt, wie einer der oben genannten Handlungspunkte aktiv angegangen werden kann, oder wenn ihr eine Arbeitsgruppe zu einem dieser Themen gründen möchtet, meldet euch bitte über info { at } opendata.ch

Unsererseits arbeiten wir bereits mit unserem Data Café und der School of Data an der Datenkompetenz. An unseren Hackdays bringen wir regelmässig Datenanbieter und Datennutzende zusammen, sodass die Datenanbieter aus erster Hand erleben, wie ihre Daten genutzt werden. Ein Leitfaden dazu, wie man offene Daten (besser) publiziert, beschäftigt uns schon lange. Offenbar sieht nicht nur unser Verein hier einen Bedarf. Wir werden versuchen, Kapazitäten zu finden, um Datenanbieter nicht nur herauszufordern, sondern auch zu unterstützen, soweit dies in unserer Verantwortung liegt.