Bedürfnisse und Erwartungen der Schweizer OGD-Community

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Der freie Zugang zu Behördendaten fördert Transparenz und Partizipation, stärkt die Rechenschaftspflicht und trägt zu mehr Wertschöpfung bei. Zudem ist Open Government Data (OGD) ein integraler Bestandteil der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der UNO. Mit der Open-Government-Data-Strategie (OGD-Strategie) 2019–2023 fördert der Bund das Angebot und die Nutzung seiner maschinenlesbaren, offenen und wiederverwendbaren Behördendaten.
Als Grundlage für die Nachfolge der Open-Government-Data-Strategie 2019–2023 (ab 2024) und vor dem Hintergrund des Inkrafttretens des Bundesgesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG) haben die Geschäftsstelle OGD und Opendata.ch eine Umfrage bei Publizierenden und Nutzenden von OGD durchgeführt, um deren Bedürfnisse und Erwartungen zu ermitteln.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Benötigte Behördendaten sind nur teilweise als OGD verfügbar. Die Befragten wünschen sich insbesondere mehr Daten zu Politik/politischer Transparenz, Bevölkerung und Gesellschaft, Gesundheit, Unternehmen und Mobilität. Konkret werden am häufigsten Grundbuchdaten, das Eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) und Parlamentsdaten genannt.
  • Fehlende Kultur, fehlendes Management bzw. fehlende Governance, fehlende Kompetenzen und fehlende gemeinsame Standards behindern die Publikation von OGD. Initiativen/Strategien, externe Einflüsse und der Grundsatz «open by default» unterstützen ihre Publikation. Für die Befragten ausserhalb der Verwaltung sind zudem das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf Zugang zu Daten, die mit ihren Steuern finanziert werden, sowie der wahrgenommene Nutzen für Gesellschaft und/oder Wirtschaft besonders relevant. Schulungen, rechtliche und politische Massnahmen sowie Werkzeuge und Leitfäden für die Erstellung, Nutzung, Verbreitung und den Austausch von Daten könnten aus Sicht der Befragten die Publikation von OGD stärken.
  • Für 7 von 10 Verwaltungsangestellten ist «open by default» derzeit nicht als Grundsatz in der Data Governance ihrer Organisation verankert, oder sie wissen nichts davon.
  • Offene Verwaltungsdaten, die in den letzten 12 Monaten genutzt wurden, sind aus Sicht der Befragten oft leicht auffindbar, aktuell und mit einer Ansprechperson oder Kontaktstelle versehen.
  • Aus Sicht der Befragten sind OGD selten interoperabel, selten mit einem Klick und als Massenabfrage verfügbar und selten als Linked Open Data erhältlich.
  • Insbesondere bei Daten zu Bevölkerung und Gesellschaft, Gesundheit, Bodennutzung und -eigentum sowie Unternehmen werden die OGD-Richtlinien aus Sicht der Befragten nicht oder nur teilweise erfüllt.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten hat das zentrale Portal für offene Daten opendata.swiss in den letzten 12 Monaten mindestens einmal genutzt, bei den Befragten ausserhalb der Verwaltung sind es fast 60 %. Als Hauptgründe nennen die Nutzenden, dass es das nationale Portal für OGD ist, dass sie es kennen und dass sie davon ausgehen, dort die gesuchten Daten zu finden.
  • Die Befragten wünschen sich von opendata.swiss eine verbesserte Such- und Vorschaufunktion, eine bessere Beschreibung der Daten/Metadaten und ein stärker bedarfsorientiertes Angebot an Datensätzen.
  • Um die Nutzung von OGD zu fördern, schlagen die Befragten vor allem Werkzeuge und Leitfäden für die Erstellung, Nutzung, Verbreitung und den Austausch von Daten vor. Zudem werden (externe) Kommunikation, Schulungen sowie rechtliche und politische Massnahmen gefordert. Die vorgeschlagenen Massnahmen zeigen, dass die Förderung der Publikation und der Nutzung von OGD zwei Seiten derselben Medaille sind und gemeinsam gedacht werden müssen.
  • Die Befragten schätzen das Ausmass des Austauschs und der Vernetzung zwischen Nutzenden und Anbietenden von OGD derzeit als zu gering bis angemessen ein.
  • Die Befragten wünschen sich vor allem Aus- und Weiterbildungen, Workshops, Informationsveranstaltungen und informelle Netzwerktreffen für den Austausch zwischen Nutzenden und Anbietenden von OGD.
  • Die bestehenden Möglichkeiten, der Verwaltung Rückmeldungen zu aktuell verfügbaren Datensätzen zu geben, bewerten die Befragten im «Mittelfeld». Befragte ausserhalb der Verwaltung schätzen diese Möglichkeiten als weniger gegeben ein als Verwaltungsangestellte. Als Feedbackkanal wünschen sich die Befragten in erster Linie E-Mail und direkte Formulare an die publizierende Stelle. Auch eine Kommentarfunktion wird als nützlich erachtet.
  • Die bestehenden Möglichkeiten, der Verwaltung Datensätze zur Publikation vorzuschlagen, bewerten die Befragten als «Mittelfeld» bis eher zu wenig gegeben. Personen ausserhalb der Verwaltung schätzen diese Möglichkeit als weniger gegeben ein als Verwaltungsangestellte.

Ausgehend von den hier vorgestellten Ergebnissen besteht Verbesserungspotenzial beim Angebot und bei der Nutzung von OGD: Themenbereiche wie Mobilität, Gesundheit, Bevölkerung und Gesellschaft sowie Unternehmensdaten werden in der OGD-Strategie 2019–2023 und/oder im Zusammenhang mit den High Value Datasets der Europäischen Union ausdrücklich als prioritär bezeichnet. Sie haben einen besonders grossen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen. Gleichzeitig hält der Grundsatz «open by default» der aktuellen OGD-Strategie seit 2020 fest, dass nicht schützenswerte Daten grundsätzlich als OGD zu publizieren sind. Dieser Grundsatz wird (voraussichtlich) ab 2023 mit dem EMBAG auf Gesetzesstufe verankert.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die rechtlichen Massnahmen von einem noch weitergehenden (Daten-)Kulturwandel, einer Stärkung der Data Governance auf nationaler Ebene, des Datenmanagements auf Ebene der Verwaltungseinheiten und einem Ausbau der Datenkompetenzen (Data Literacy) begleitet werden müssen. Aus- und Weiterbildungen, Werkzeuge/Leitfäden, Kommunikationsmassnahmen und nicht zuletzt ein regelmässiger Austausch zwischen Nutzenden und Publizierenden können die breite Umsetzung von «open by default» unterstützen, die digitale Transformation der Bundesverwaltung beschleunigen, einen (Daten-)Kulturwandel herbeiführen und Daten im Interesse von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft wertschöpfend nutzbar machen.