Datenaktivisten fordern: Herr Blatter, reissen Sie diese Mauer nieder!

An den ersten International Sports Hackdays in Basel, Siders und Mailand kamen über 120 Entwicklerinnen und Designer, Journalistinnen und Wissenschaftler, Profis und Amateure zusammen, um Prototypen für neue Ansätze zur kreativen Nutzung von Sportdaten zu entwickeln. Sie bauten neuartige Hardware, neue Schnittstellen für Fitnessgeräte und Zuschauer-Apps, analysierten Leistungen an der Tour de France und die Taktik des FC Basel, Sportförderpolitik, Infrastrukturen und vieles mehr – und trugen den Geist der offenen Innovation und des kreativen Technologieeinsatzes in die Welt des Sports.

 

Arbeitsplatz eines Teilnehmers, der eine Datenvisualisierung zur Tour de France skizziert und als Prototyp umsetzt

Arbeitsplatz eines Teilnehmers, der eine Datenvisualisierung zur Tour de France skizziert und als Prototyp umsetzt.

Projekt, das Intensität und Tendenz eines Fussballspiels mit Farbe und Helligkeit zweier Glühbirnen visualisiert

Das Projekt Secondlamp visualisiert Intensität und Tendenz eines Fussballspiels mit Farbe und Helligkeit zweier Glühbirnen.

 

Während offene Behördendaten sich als treibende Kraft für Transparenz, Effizienz und Innovation im öffentlichen Sektor etabliert haben, steht die Welt des Sports erst am Anfang: Obwohl so viel Leidenschaft und so viel Potenzial vorhanden ist, bleiben Sportdaten oft in den verschlossenen Truhen der Funktionäre. Die International Sports Hackdays vom vergangenen Wochenende waren nur ein erfolgreicher Spielzug, um dieses Spiel zu verändern, nur ein Schritt dazu, den Sport für Daten und Sportdaten für die Welt zu öffnen. Deshalb: Herr Blatter, reissen Sie diese Mauer nieder, machen Sie die Daten der FIFA für alle zugänglich!

Martin Rumo, Embedded Computer Scientist an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen, erläuterte die Lage: «Im Spitzensport erheben wir jeden Tag mehr Daten. Damit sie aber genutzt werden und nützlich sind, müssen wir Brücken schlagen zwischen Entwicklern, Designerinnen und Data Scientists einerseits und der Welt des Sports andererseits.»

Mit Fachleuten für Athletendaten von führenden Unternehmen wie Deltatre oder Technogym oder vom Nationalen Sportzentrum der Schweiz, mit Datenvisualisierungsexperten von Firmen wie Tuxtax oder Interactive Things sowie mit Forschenden, Hackern und Makern aus führenden lokalen Tech-Firmen zog der Anlass Talente an, die kaum je zusammenkommen – eine Gruppe interdisziplinärer Innovatorinnen und Innovatoren, die sich als ausserordentlich produktiv erwies: beim Brückenschlagen, aber auch bei echten Fortschritten.

 

Diagramm, das mit Daten der Tour de France die Karriere eines Strassenradrennfahrers visualisiert und analysiert.

Diagramm, das mit Daten der Tour de France die Karriere eines Strassenradrennfahrers visualisiert und analysiert.

hacksports-foosball

Sensoren an einem Tischfussballkasten sammeln Daten und setzen sie in Beziehung zu historischen Profi-Fussballspielen – für Vergleiche wie «Du spielst heute wie Liverpool–Basel».

 

Zu den faszinierenden Projekten, die die Freiwilligen aus der Kreativwirtschaft entwickelten, gehörten Hardware- und Softwareprojekte sowie Datenvisualisierungen. Sie konzentrierten sich hauptsächlich auf Fussball (Secondlamp, die Second-Screen-Match-App BlitzPoll, …) und Radsport (etwa vertiefte und historische Analysen von Leistungen an der Tour de France). Die Prototypen deckten sowohl persönliche Apps wie Sportee oder BeatIt ab als auch die organisatorische Ebene, z. B. die Finanzanalyse der staatlich finanzierten Sportförderung wie in OptiSports oder, speziell für die Schweiz, das Tool namens Spörtle. Die gewählten Ansätze waren durchwegs ausserordentlich einfallsreich und von erstaunlicher Qualität: Die Kreativität und Innovation, die in diesen zwei Tagen in Mailand, Siders und Basel zu erleben waren, beeindruckten sehr.

Die am Anlass verwendeten Datenquellen sind alle auf datahub.io verfügbar, einem zentralen Open-Data-Verzeichnis. Zu diesen Datensätzen gehören Crowdsourcing-Daten, aus öffentlichen Websites extrahierte Daten sowie offizielle Datenveröffentlichungen, die zum allerersten Mal einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurden. Für die Zukunft und die Glaubwürdigkeit des Grosssports wird es entscheidend sein, Datenrichtlinien festzulegen, die der Rolle offener Daten für Gesellschaft und Wirtschaft Rechnung tragen. Um die offene Veröffentlichung und die produktive Nutzung offener Sportdaten zu fördern und zu erleichtern, arbeitet die internationale Organisation Open Knowledge an der Gründung einer offiziellen Arbeitsgruppe für Sportdaten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich an Hannes Gassert (Anlass in Basel, Koordination), Antoine Logean (Anlass in Siders) oder Carlo Toccaceli Blasi (Anlass in Mailand).

Unterstützende Partner:

   

Medien: